Auch die 30. Ausgabe ist ungebrochen vielfältig: Die Beiträge bleiben thematisch breit, klar strukturiert durch die bewährten Rubriken Stadtgeschichte, Topografie, Kunst- und Baugeschichte sowie Quellen und Berichte – lose chronologisch geordnet als Spurensuche durch die Zeiten. Es folgt frühen historischen Spuren in Handschuhsheim, noch älter sind die Berg- und Flurnamen des Heidelberger Raums. Quellenstudien führen zur ersten dokumentierten jüdischen Geschichtsdarstellung Heidelbergs von 1890. Achteckige Türme werden als städtebauliche Statements neu gelesen, während alte Rätsel – von Räuberskeletten bis zur Anatomiegeschichte – durch moderne Wissenschaft aufgeklärt werden. Tragödien und Aufbruch prägen das 20. Jahrhundert: vom Suizid einer Adligen bis zu den Visionen früher moderner Stadtplanung. Künstlerinnennetzwerke wie die GEDOK werden in ihrer facettenreichen Gründungsgeschichte – inklusive jüdischer Mitbegründerinnen – neu erinnert. Auch die NS-Zeit wird mit scharfer historischer Detektivarbeit durchleuchtet: von Gestapo-Mitarbeitern über Täterbiografien bis zu den Verstrickungen der Heidelberger Stadtverwaltung und dem Schicksal verfolgter jüdischer Studierender. Dagegen stehen Stimmen des Widerstands und der Verfolgten. Nach 1945 richtet sich der Blick auf Neubeginn und verdrängte Geschichte: eine Konferenz von 1949 zur Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland, die Heidelberger Nachkriegsrealität jenseits der Mythen und der lokale Protest gegen die Eingemeindung eines Stadtteils 1975. Schließlich die Gegenwart: 40 Jahre bürgerschaftliche Kulturarbeit, akustische Großereignisse wie das Glockenkonzert der Altstadtkirchen – und wie immer: neue Erkenntnisse, lebendige Debatten, fortgeschriebene Stadtgeschichte.
Heidelberg. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 2026, Jg. 30
Heidelberger Geschichtsverein e.V. (Hg.)
erscheint seit 1996
ISSN 1432-6116
erschienen am 25. Nov. 2025
312 Seiten, ca. 100 SW.-Abb.
Broschur, Format 16 × 23 cm
22,– Euro
ISBN 978-3-910886-14-8
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